Vasishta
Die sieben Rishis
In der vedischen und puranischen Überlieferung gibt es eine allegorische Erzählung über die Entstehung des Denkvermögens und das Hervorkommen von Meistern in alle Ebenen der Schöpfung: Als die fünf aus dem Denken von Brahma geborenen Söhne sich weigerten, die dichteren Welten zu erschaffen, um nicht in der Materie festgehalten zu werden, verfluchte der Schöpfer sie, in der Materie der ganzen Schöpfung begraben zu werden.
Diese Allegorie erklärt, wie auf allen Ebenen der Schöpfung das Denkvermögen entstand und Meister hervorkamen. Mithilfe der subtilen Arbeit dieser fünf kosmischen Meister wird die Entwicklung der Materie und des Denkvermögens beschleunigt und dem menschlichen Verstand bewusst gemacht. Es ist ein stiller Zauber, den diese Meister in Form von Hinweisen oder Empfehlungen aussprechen und der die Intuition des Menschen dazu anregt, als Meister seiner Intelligenz zu arbeiten. Dieser kosmische Vorgang wird Yoga genannt. Es gibt eine grosse Anzahl von kosmischen Meistern, und die fünf Söhne Brahmas sind die Führenden unter ihnen. Viele von ihnen werden als Rishis betrachtet. Es sind in Wirklichkeit keine Persönlichkeiten, sondern die Wirkprinzipien des Yoga im Kosmos. Jedem Prinzip wird ein Name gegeben, um es erkennen und verstehen zu können. Ein Sonnensystem, das von einem bestimmten Prinzip geleitet wird, erhält seinen Namen nach diesem speziellen Rishi oder kosmischen Meister. So ist jede der sieben Sonnen der Konstellation des Grossen Bären (Sanskrit: Sapta Rishi Mandala) nach einem Rishi wie Vasishta, Vishvamitra, Pulastya, Pulaha usw. benannt.
Nicht alle Sonnen sind zur selben Zeit geboren und befinden sich daher nicht auf derselben Entwicklungsstufe. Je nach Grad der spirituellen Evolution werden die Sonnen in heilige und nicht-heilige Sonnen unterteilt (siehe „Esoterische Astrologie” von Alice A. Bailey). In jeder Sonne wohnen diese Rishis. Jede Sonne dient als Träger für eine Haupteigenschaft, die zu einem der Rishis gehört. Basierend auf dieser Haupteigenschaft existieren Millionen von Sonnen in Siebener-Gruppen. Es sind Sonnen, die sich zum Zustand der sieben Rishis entwickelt haben. Bei Sonnen, die noch jung sind und diesen Zustand nicht erreicht haben, kommen diese Prinzipien der sieben Weisen noch nicht zum Ausdruck. Solche Sonnen bilden eine Gruppe von fünf und verbinden sich mit einer Gruppe von sieben erhöhten Sonnen, den Sapta Rishi Mandalas.
Die Sonne unseres Sonnensystems ist eine der fünf jungen Sonnen in einer Gruppe von zwölf Sonnen. Sie wird von den Intelligenzen der sieben Rishis beeinflusst und hilft so bei der Verbreitung ihrer Lehren und Weisheiten. Von den sieben Sonnen werden sieben Arten spiritueller Strahlen auf unsere Sonne ergossen. Sie empfängt sie und teilt sie mit all ihren Planeten, einschliesslich unserer Erde. Dementsprechend existiert die Menschheit dieser Erde in sieben Gruppen, basierend auf ihren Seelenmerkmalen. Auch beim Menschen bearbeiten sieben Intelligenzen der buddhischen Ebene fünf Materiestadien, die zum physischen Körper gehören.
Das Rishi-Prinzip
Die sieben Seher, die als die sieben Strahlen dargestellt werden, kannten den goldenen Mittelweg des Yoga schon vor dieser Schöpfung. Wir haben den Ausdruck eines jeden Rishis auf der kosmischen, solaren, planetarischen und menschlichen Ebene. So verkörpert sich jedes der sieben Rishi-Prinzipien in regelmässigen Abständen auf der Erde, um die Menschen zu erheben und die Gruppe von Menschen zu führen, die den jeweiligen Hauptmerkmalen angehören. Solchen Rishis ist es zu verdanken, dass die Weisheit in verschiedenen Sprachen an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten erklärt und niedergeschrieben wird.
Die Rishi-Prinzipien sind in bestimmten Menschen auf der Erde verkörpert, die nach den oben erwähnten Rishis benannt werden. Auf der menschlichen Ebene mag der regionale Name dieser Person ganz anders lauten. Doch die Veden bezeichnen sie nur mit dem Namen des Rishis. Aus diesem Grund tauchen die Charaktere der Rishis wie z.B. Vasishta mit denselben Namen in Geschichten auf, die sich über Jahrhunderte abspielen.
Der Grosse Bär ist kosmisch der Vater unseres Systems, die Plejaden sind unsere Mutter und Sirius ist unser Lehrer. Vasishta ist in einem der sieben Sterne des Grossen Bären verkörpert. In der Konstellation des Grossen Bären gibt es drei Sterne, die den Schweif des Bären bilden. Der mittlere dieser drei Sterne wird Vasishta genannt. Für unser Sonnensystem spielt Vasishta die Rolle des Vaters. Vasishta ist eines der grossen kosmischen Prinzipien der sieben Rishis. Von den sieben Sehern gilt Vasishta als der vierte, der mittlere, so wie auch der Yogapfad der goldene Mittelweg ist. Von Vasishta kommt die Hierarchie der Yogis von der suprakosmischen Ebene über die kosmische Ebene, die solare Ebene und die planetarische Ebene zu uns. Vasishta ist für die Hierarchie auf unserem Planeten verantwortlich. Nach den Schriften stammt die Hierarchie unserer Erde von dem grossen Weisen Vasishta. Seine Gegenwart wirkt sich als Prinzip oder als intuitives Ideal aus.
Agastya und Vasishta
Auf der suprakosmischen Ebene gibt es das Zwillingsprinzip der Asvins, die Mitra und Varuna genannt werden. Sie stellen die untrennbare Einheit von Existenz und Gewahrsein der Existenz dar oder von Geist und Materie als das erste Hervorkommen aus der reinen Existenz. Die Asvins kommen herab als Vasishta und Agastya, als Neptun und Uranus, als die Hierarchie im Himalaya und die Hierarchie in den blauen Bergen Südindiens.
Vasishta arbeitet mit den Energien der Liebe und des Verstehens. Die Hierarchie von Vasishta führt auf dem Planeten die Aktivitäten durch, die mit der Entfaltung des Bewusstseins und der Evolution der Wesen zusammenhängen. Dies nimmt einen langen Zeitraum in Anspruch. Die Hierarchie von Agastya arbeitet daran, Formen für neue Schöpfungen zu erschaffen, damit der Geist auf neue Weise herabsteigen oder materialisieren kann. Agastya korrigiert die bestehenden Formen oder baut sie wieder auf, damit der Geist / das Bewusstsein besser herabsteigen und erfahren werden kann. Seine Aufgabe auf allen Ebenen ist es, wo erforderlich Strukturen zu korrigieren und bessere Modelle zu entwickeln.
Der leitende Ashram von Vasishta befindet sich im Himalaya mit ätherischen Ashramen rund um den Planeten. Der leitende Ashram von Agastya, der auch Meister Jupiter genannt wird, befindet sich in den Nilagiris, den Blauen Bergen. Aus diesem Ashram ist Meister CVV hervorgekommen. Die Ashrame von Agastya befinden sich auch in anderen Gebirgszügen der südlichen Hemisphäre des Planeten. In uns ist die Energie von Agastya im Basiszentrum lokalisiert; sie stimuliert, wenn notwendig, die Kundalini-Energie. Wir können die Energie von Vasishta besonders im Herzzentrum empfinden, dem mittleren Zentrum. Die Hierarchie arbeitet besonders daran, die Energien des Lichts, der Liebe und des Willens aus den höheren Zentren anzurufen und zu verteilen.
In Indien gibt es eine Schrift namens Yoga Vasishta. Sie enthält die Lehren, die vom grossen Seher Vasishta Rama gegeben wurden. Die Schrift enthält die Summe und Essenz des Yoga oder der Theosophie. Sie ermöglicht es, uns mit dem Göttlichen zu verbinden, das Göttliche zu erfahren und auf gerechte Weise in der Welt zu leben. In dieser Schrift sagt Vasishta, dass die drei Logoi Brahma, Vishnu und Shiva in der vergangenen Schöpfung normale Menschen waren. Sie arbeiteten so hart an ihrer Verbesserung, dass sie sich weiterentwickelten. Sie sind dem Pfad der Evolution gefolgt und konnten dadurch ihre Ämter im jetzigen kosmischen System übernehmen.
Genauso ist ‚Weltlehrer’ ein Amt, das heute Lord Maitreya innehat. Bevor Maitreya von Lord Krishna als Weltlehrer eingesetzt wurde, wurde er von seinem Lehrer namens Parasara gut vorbereitet. Parasara war der vormalige Weltlehrer. Parasaras Lehrer war Sakti, Saktis Lehrer war Vasishta. Vasishta ist also der Lehrer des Lehrers des Lehrers von Lord Maitreya. Der World Teacher Trust hat seinen Namen vom Weltlehrer abgeleitet, der stets aus dem Ashram von Vasishta herabsteigt.
Der Name Vasishta bedeutet ‚die Leichtigkeit des Seins‘, ein sehr stabiler und angenehmer Zustand des Seins. Wenn unser Gewahrsein stabil und in angenehmer Verfassung ist, wird es nicht gestört und das Bewusstsein arbeitet ungehindert durch uns. Vasishta durchströmt alles und bleibt dabei im Zentrum, dem Herzen, als pulsierendem Prinzip. Wenn wir uns mit diesem Prinzip verbinden, bleiben wir so neutral, dass alles durch uns geschehen kann und wir in allem das Beste erfahren können. Es heisst daher, Vasishta wurde die Aufgabe übertragen, den Reichtum des Universums zu verwalten. Vasishta hat diese Stabilität durch tiefe Kontemplation gewonnen.
Vasishtas Ehefrauen
Vasishta hat zwei Ehefrauen. Seine erste Frau oder Natur ist Urja, ‚die Stärke der Leichtigkeit des Seins'. Diese Stärke von Vasishta ermöglicht auch uns, die Stabilität und Leichtigkeit des Seins zu bekommen. Die Tür zur Stabilität ist im Herzen. Wenn wir uns im Herz-Lotos aufhalten, werden wir von dort aus zum Herzen eines jeden Wesens geführt - alles ist durch den Faden der Herzlichkeit miteinander verbunden und dieser Faden existiert in uns. Die zweite Gefährtin von Vasishta ist Arundhati. Dies bedeutet ‚das Licht ohne Grenzen‘. Das Licht von Vasishta kennt keine Grenzen. Es ist das Licht des Herzens, das keine Grenzen kennt. Das Herz ist der Ort, an dem wir ruhig und friedlich bleiben können und zu dem wir uns begeben sollten, wenn wir keine Arbeit im Äusseren haben.
Arundhati war zu Beginn der Schöpfung noch nicht die Frau von Vasishta. Sie war ursprünglich seine Dienerin und wollte ihn heiraten, aber er sagte ihr, dass sie eine tiefe Umwandlung durchlaufen müsse, sonst könne er sie nicht berühren. Sie hatte einen sehr starken Willen. Sie durchlief acht Leben ein intensives Training und wurde dann die Frau von Vasishta. Neben dem Stern Vasishta im Grossen Bären leuchtet ein kleinerer Stern und das ist Arundhati.
Verwendete Quellen: K.P. Kumar: Saraswathi - Das Wort, Deutschland (www.wtt-de.org/edition-kulapati); div. Seminarnotizen. E. Krishnamacharya: Suparna Suktam. Kulapathi Book Trust, Visakhapatnam (https://www.aquariusbookhouse.com/product/suparna-suktam)







